Technischer Defekt

Bahnübergang in Bonn stand eine Stunde offen

Am Rheinweg haben die Schranken am Sonntag nach einem technischen Fehler fast eine Stunde offen gestanden.

Am Rheinweg haben die Schranken am Sonntag nach einem technischen Fehler fast eine Stunde offen gestanden.

BONN. Die Bahnschranke am Rheinweg in Bonn hat eine Stunde lang offen gestanden, da ein Güterzug den Übergang blockierte. Trotz offener Schranken passierten 13 Züge den Übergang.

Aufgeschreckt von einem ungewöhnlich langen, pfeifenden Warnton eines Zuges, hat sich am Sonntagnachmittag eine Anwohnerin des Lahnwegs zum Bahnübergang am Rheinweg begeben. Dort sah sie einen Güterzug mitten auf dem Bahnübergang stehen. „Da ich dachte, da könnte möglicherweise jemand verletzt worden sein und Hilfe benötigen, bin ich weiter zur Haltstelle UN-Campus gelaufen“, berichtet die Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will. Erst dort war der Zug möglicherweise zum Stehen gekommen.

Auf der gegenüberliegenden Seite wartete ein Schnellzug, der aus Richtung Süden gekommen war. „Ein Bekannter, den ich später traf, hat mir erzählt, er habe gesehen, dass der Güterzug bei offener Schranke am Rheinweg über den Bahnübergang gefahren ist.“ Sie selbst habe den Abriebgeruch der Bremsen noch deutlich wahrnehmen können.

Deutsche Bahn bestätigt Schrankenstörung

Svenja Dembour besitzt den Blumen- und Geschenkeladen „Mitbringsel“ am Rheinweg. Sie hat von dem Vorfall nichts mitbekommen. „Ich wohne ja dort auch nicht.“ Da sie aber in der Woche tagsüber im Laden steht, ist sie sicher, dass die Schranke am Bahnübergang bisher nie defekt gewesen sei. „Ich nutze den Übergang fast täglich“, sagte sie.

Die Deutsche Bahn bestätigt die Schrankenstörung am Bahnübergang Rheinweg auf Anfrage. Die Schranke habe von 16.27 bis 17.15 Uhr offen gestanden. Dann war sie repariert, so ein Bahnsprecher. Er betonte aber, „dass zu keiner Zeit eine Gefahr bestanden hat“. Insgesamt habe der Schrankenfehler, den er nicht näher benennen konnte, 13 Bahnen in beiden Richtungen betroffen. Die Folge seien Verspätungen zwischen 15 bis 20 Minuten für die wartenden und langsam fahrenden Nahverkehrs-, Güter- und drei Fernzüge gewesen.

Dass einer dieser Züge aus der Fahrt heraus die offene Schranke überfahren habe, dementierte er. Ob es zu einer Voll- oder Zwangsbremsung durch ein rotes Signal gekommen war, die den Bremsgeruch erklären würde, konnte er am Montag nicht sagen. „Die Störung ist im Stellwerk als Fehler sofort aufgefallen“, so der Bahnsprecher. Daraufhin hätten die Zugführer die Anweisung bekommen, vor der offenen Schranke zu halten. „Aber auch in solchen Fällen muss es gerade bei einer dichtbefahrenen Strecke weitergehen.“

Züge haben Vorrang

Grundsätzlich habe der Schienenverkehr bei offenen Schranken Vorrang. Die Weiterfahrt über offene Schranken sei allerdings strengen Formalitäten unterworfen, die im Fachjargon „Fahren auf Befehl“ genannt werden. Der Fahrdienstleiter gebe den Lokführern den Befehl zur Weiterfahrt mündlich durch. Der Zugführer notiere ihn schriftlich, lese ihn dem Vorgesetzten ein weiteres Mal vor und dürfe die Fahrt im Schritttempo erst fortsetzen, wenn er die Zugpfeife betätigt und sich vergewissert habe, dass Autos, Radfahrer und Fußgänger am Bahnübergang warten.

Insgesamt betreibt die Deutsche Bahn 20.000 Bahnschranken im ganzen Land, die dem Bahnsprecher zufolge zuverlässig funktionierten. Wegen der hohen Zahl käme es aber deutschlandweit fast täglich zu ähnlichen Vorfällen wie am Sonntag in Bonn. Der Sprecher konnte nicht sagen, ob einer der Züge am Sonntag zeitweise die offene Schranke blockiert habe. Das sei aber denkbar, wenn der Zug kurz nach der Überfahrt ein rotes Signal auf der Strecke bekomme und deshalb nicht weiterfahren dürfe.

Nach Angaben des Eisenbahn-Bundesamts (EBA) gilt für solche Fälle die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung. „Hier ist auch geregelt, dass ein Zug, der mit dem Triebfahrzeugführer allein besetzt ist, den Bahnübergang ohne Sicherung durch Posten befahren darf, nachdem er angehalten hat und die Wegebenutzer durch Achtung-Signal gewarnt sind“, sagte EBA-Sprecher Moritz Huckebrink auf Anfrage. Grundsätzlich würden Störungen automatisch ans Stellwerk gemeldet, erklärte Christian Drillmann, Sprecher der Eisenbahnergewerkschaft NRW. Dadurch sei der Streckenabschnitt für die Einfahrt von Zügen blockiert. „Aber natürlich kann es passieren, dass die Störung auftritt, wenn der Zug schon in den Streckenabschnitt eingefahren ist.“