Kongress

Bürgermeister üben in Bad Neuenahr den Katastrophenfall

BAD NEUENAHR. 100 gewählte Kreis- oder Stadtoberhäupter übten in der Akademie für Krisenmanagement die Kommunikation im Katastrophenfall. Aus der Region war kein Bürgermeister oder Landrat angereist.

Strategien für einen effektiven Bevölkerungsschutz werden insbesondere in Ahrweiler in der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz bereits seit Jahren mit großem Erfolg angeboten. Doch Ereignisse wie die Duisburger Love Parade, der Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt des Berliner Breitscheidplatzes, Hochwasserkatastrophen oder bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen zwischen der Staatsgewalt und Chaoten beim G 20-Gipfel in Hamburg stellen die betroffenen Kommunen stets vor neue Herausforderungen, die gemanagt werden sollen. Eingeladen waren Landräte und Bürgermeister aus ganz Deutschland.

Gekommen waren allerdings lediglich rund 100 gewählte Kreis- oder Stadtoberhäupter, obwohl es mehr als 12 000 Städte und Gemeinden und knapp 300 Landkreise in Deutschland gibt, die über den „Behörden-Spiegel“ – die Fachzeitung für den öffentlichen Dienst – eingeladen waren. Aus der Region war kein Bürgermeister oder Landrat angereist, wie der Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, Christoph Unger, bemerkte: „Ich wünschte, diese Veranstaltung würde auf bessere Resonanz stoßen.“

Denn gerade die Bürgermeister seien es, die im Krisenfall als erste angesprochen werden. „Sie sind das Gesicht der Verwaltung, sie repräsentieren den Staat. Von ihnen erwarten die Bürger die Informationen, die Sicherheit geben. Die Bürgermeister sind es, die vermitteln sollen, wie Bürger mit Situationen umgehen sollen und wo es Hilfe gibt“, sagte Unger.

Zudem gebe es zahlreiche Fälle, in denen das Krisenmanagement, insbesondere die Kommunikation, schiefgelaufen sei. So stand dann just auch dieses Thema im Fokus des zweitägigen Veranstaltungsprogramms. Wie Medienarbeit gut funktioniert, machte der Pressesprecher der Hamburger Polizei, Timo Zill, deutlich, der über den G 20-Gipfel berichtete. Die Informationsarbeit wurde seinerzeit bundesweit gelobt. Die Feuerwehr Frankfurt berichtete, wie Kommunikation mit der Bevölkerung am Beispiel einer Evakuierung oder wie mobile Durchsagesysteme bei Großveranstaltungen funktionieren können.

Zunehmende Bedeutung gewinne die zivile Verteidigung im nationalen Bereich, führte BBK-Präsident Unger im Gespräch mit dem GA aus. „Die Selbsthilfefähigkeit der Bevölkerung zu stärken, ist Aufgabe der Kommunen“, unterstrich Unger. Auch diesem Themenkomplex waren verschiedene Referate gewidmet. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Bereich des Opferschutzes und der Hilfe für Einsatzkräfte, die bekanntlich mehr und mehr bei ihren Einsätzen gestört, angepöbelt oder gar bedroht und angegriffen werden.

Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft nahm zudem auch das immer neu zu bewertende Risiko, das mit Public-Viewing-Veranstaltungen einhergehen kann, breiten Raum ein. Die zweitägige Veranstaltung, die am Dienstag zu Ende geht, hat zum Ziel, Städte und Gemeinden für die präventiven Aufgaben zum Schutz der Bevölkerung zu sensibilisieren, um die Handlungsfähigkeit in außergewöhnlichen Situationen zu erhalten. Moderiert wurde die Veranstaltung vom früheren Kölner Oberbürgermeister und ehemaligen Bonner Polizeipräsidenten Jürgen Roters.

Mit Sorge sieht Unger die Entwicklung in so manchen Freiwilligen Feuerwehren, in denen Personalnot herrsche. Auch Hackerangriffe auf Stromnetze und Bedrohungen durch chemische Substanzen nannte der BBK-Präsident als neue Herausforderungen des Katastrophenschutzes.