Leerstehende Immobilien

Königswinter kann Flüchtlingsunterkünfte flexibel nutzen

Auch Königswinter musste bei der Flüchtlingswelle 2015 schnell handeln . Das Foto zeigt die aufgelöste Notunterkunft in Sandscheid.

Auch Königswinter musste bei der Flüchtlingswelle 2015 schnell handeln . Das Foto zeigt die aufgelöste Notunterkunft in Sandscheid.

Königswinter. Viele Flüchtlingsunterkünfte in Königswinter sind wieder leer, die Stadt kann die Immobilien nun flexibel nutzen. Angst vor einem teuren Leerstand herrscht daher nicht.

Die Zeiten von überfüllten Flüchtlingsunterkünften sind vorbei, viele Einrichtungen stehen fast leer. Doch die Kosten für Wohnraum bleiben wegen langfristiger Mietverträge hoch. Der Städte- und Gemeindebund sieht das Land in der Pflicht. In Königswinter sieht man das Problem jedoch relativ gelassen. „2015 mussten die Kommunen schnell handeln und sich daher oft an sehr schlechte Mietkonditionen binden, um Obdachlosigkeit zu vermeiden“, sagt Andreas Wohland vom Städte- und Gemeindebund NRW. „Nun bleiben sie auf den Kosten sitzen.“ Denn das Land zahlt nur für Flüchtlinge, die tatsächlich untergebracht sind, nämlich monatlich 866 Euro pro Person. Stehen die Räumlichkeiten aber leer, zahlen die Städte die Miete – auch wenn es keine Nutzer gibt.

„Die Stadt Königswinter hat großen Wert darauf gelegt, bei der damaligen Ad-hoc-Suche solche Immobilien zu wählen, die gegebenenfalls auch anders nutzbar sind“, erläutert Stadtsprecher Carsten Herrmann. Gerade noch rechtzeitig hatte man damals die geplanten Container in Oberpleis noch loswerden können, als absehbar wurde, dass sie gar nicht gebraucht werden würden. Der Unternehmer hatte die falsche Ware geliefert, die Stadt verzichtete dankend auf Ersatz und kam ohne Schaden davon.

Zudem legte die Stadtverwaltung bereits im vergangenen Jahr dem Stadtrat ein Konzept vor, welche Immobilien wann sukzessive leer werden und einer anderen Nutzung zugeführt werden könnten. So ist laut Stadtverwaltung ein Standort zum Beispiel für sozialen Wohnungsbau vorgesehen und wird entsprechend vermarktet.

Obdachlosenheim in der Altstadt

Ein anderes – ursprünglich von der Stadt als Flüchtlingsunterkunft erworbenes – Haus in der Königswinterer Altstadt wird künftig zum Obdachlosenheim. In einem weiteren Gebäude in Oberpleis, das sich im städtischen Besitz befindet, werden die Wohnungen nun an anerkannte Flüchtlinge vermietet. Andere werden in Wohnungen für Menschen mit Wohnberechtigungsschein „umgewandelt“. „Klassischen Leerstand gibt es bei uns also nicht“, so Herrmann.

Natürlich seien einige noch vorhandene Unterkünfte weniger belegt als früher. Einen Nachteil kann die Stadtverwaltung darin aber nicht erkennen. Herrmann: „Das ist wesentlich sozialverträglicher und besser als wenn die Immobilien bis unter die Decke belegt sind, wie dies zu Hochzeiten 2015 der Fall war.“

Ende 2017 lebten 361 Flüchtlinge aus 34 Nationen in Königswinter, die Mehrheit aus Syrien und Afghanistan. Zugewiesen wurden der Stadt im vergangenen Jahr 139 Flüchtlinge; elf Kinder wurden hier geboren. 160 Flüchtlinge verfügen über eine Anerkennung der Flüchtlingseigenschaft oder über einen subsidiären Schutzstatus. 28 Personen kehrten freiwillig in ihre Heimatländer zurück, zehn weitere wurden abgeschoben. 66 Personen tauchten einfach ab.