Bonner Landgericht

Ausbrecher gesteht Juwelenraub in Siegburg

Die Fesseln an Hand- und Fußgelenken muss der Angeklagte wegen Fluchtgefahr auch während des Prozesses anbehalten.

Die Fesseln an Hand- und Fußgelenken muss der Angeklagte wegen Fluchtgefahr auch während des Prozesses anbehalten.

Siegburg/Bonn. Im Oktober 2017 war er nach nach einer Verurteilung vor dem Amtsgericht Siegburg geflohen. Jetzt muss sich der 24-jährige Häftling im Prozess um einen Einbruch in ein Juweliergeschäft vor dem Bonner Landgericht verantworten.

Der Blick in die Foto- und Fernsehkameras missfiel dem jungen Mann außerordentlich: „Ich bin doch kein Mörder, sondern nur ein Dieb“, erklärte er. Aber so gewöhnlich ist der Angeklagte nicht, der mit Handschellen und Fußfesseln in den Gerichtssaal des Bonner Landgerichts geführt wurde. Denn im Herbst 2017 machte der 24-Jährige mit einer spektakulären Flucht bereits Schlagzeilen.

Nach einer Verurteilung vor dem Amtsgericht Siegburg am 26. Oktober entwischte er den Justizbeamten bei der Übergabe an die Kollegen des Gefangenentransporters, der ihn zurück in die JVA bringen sollte. Mit einem Satz sprang er damals im Hof des Justizgebäudes auf das Dach und konnte fast drei Wochen untertauchen. Am 14. November wurde der Ausbrecher schließlich bei Verwandten in Hessen wieder eingefangen. Im Bonner Prozess am Montag blieb der Angeklagte an Händen und Füßen gefesselt: „Damit Sie uns nicht wieder auf die Flitze gehen“, begründete Kammervorsitzender Marc Eumann die Anweisung.

In dem Verfahren geht es indes nicht um die Flucht aus den Händen der Justiz, sondern um einen Einbruch bei einem Juwelier in Siegburg, der nicht minder spektakulär war: Am 5. Juli 2017 soll der 24-Jährige laut Anklage mit zwei bislang unbekannten Tätern die Glastür des Geschäfts mit einem gestohlenen Auto geknackt haben. Zweimal rammte der Pkw die Scheibe, bis diese zersplitterte, der Rest wurde mit Fußtritten besorgt. Dann rafften die drei Schmuck aus den Vitrinen im Wert von rund 15.000 Euro. Das demolierte Auto ließen sie anschließend am Tatort mitten in der Innenstadt stehen – und flüchteten mit drei Fahrrädern über den oberen Markt in Richtung Michaelsberg.

Täter wurde anhand einer Blutspur identifiziert

„Das stimmt, das war ich“, räumte der Mann erstmalig den Einbruch ein. Allerdings hatte er damals an einer der Vitrinen eine Blutspur hinterlassen und konnte über seine DNA identifiziert werden. Aber der Angeklagte gab auch erste Hinweise auf die beiden Mittäter, von denen er nur einen 22-Jährigen gekannt habe, den anderen habe er erst in der Nacht kennengelernt. Eigentlich sollte ein Pfandleihhaus Ziel des Trios sein, aber die einladende, große Glastür habe für den Juwelier gesprochen. „Freie Fahrt für ein Auto?“, so Eumann. Der Angeklagte nickte.

Auch in seinem Geständnis war der 24-Jährige für eine Überraschung gut. Denn von der Beute, so erzählte er mit fester Stimme, habe er nichts gehabt. Auf der Flucht habe das Trio den Beutel mit Schmuck unter einen Mülleimer auf dem Michaelsberg deponiert. Sie hätten abwarten wollen, „bis sich das mit der Polizei wieder beruhigt“. Am nächsten Tag sei der Schmuck weg gewesen. „Ein Flaschensammler vielleicht“, meinte der Angeklagte. Er schloss auch nicht aus, dass einer der Mittäter ihn reingelegt hat. „Vielleicht wurde jemand per Handy informiert, wo wir die Beute gelagert haben.“

Weil der Angeklagte wegen seiner Kokainsucht ständig unter Geldnot leidet, hat er versucht, im August 2017 vier Videospiele in einem Kaufhaus zu stehlen; dabei wurde er erwischt. Auch dafür muss er sich jetzt verantworten.